Forschungsprojekt „Grundlagen für den Erhalt des Sterlets“

Im Oberen Donautal (Stauraum des Donaukraftwerks Aschach; Grenzstrecke zu Bayern) kommt der letzte, natürlich reproduzierende Bestand des Sterlets in Mitteleuropa vor. Dies ist die einzige von ursprünglich fünf heimischen Störarten, die nicht vollständig ausgestorben ist.

Das Wissen über diese Population ist sehr gering. Informationen über die Populationsgröße, Gefährdungsfaktoren und Schlüsselhabitate (Laichplätze, Jungfischlebensräume etc.) sind für einen langfristigen Erhalt dieser bedeutenden Population und die Konzipierung von Schutz- und Förderungsmaßnahmen aber von eminenter Bedeutung.

In einem seit 2013 laufenden, bilateralen Projekt wird mittels Fang-Wiederfang die Populationsgröße abgeschätzt. Weiters wird der Einfluss gebietsfremder Störe untersucht. Ein Teil der Tiere wird mit Telemetriesendern ausgestattet, um die Lebensraumnutzung und Wanderbewegungen erfassen zu können. Dazu wurden über den gesamten Stauraum KW Aschach (41 km) verteilt Fixempfänger installiert, zusätzlich erfolgt in regelmäßigen Abständen eine Ortung vom Boot aus.

sterlet_telemetrie

Im zweiten Projektjahr 2014 konnten bereits wertvolle neue Erkenntnisse gewonnen werden. So konnte festgestellt werden, dass die Tiere – entgegen der bisherigen Annahme – nicht nur die Stauwurzel, sondern auch den zentralen Stauraum intensiv als Lebensraum nutzen. Da sie sich bevorzugt in den tiefen, uferfernen Bereichen aufhalten gelangen dort bisher keinerlei Nachweise durch die Netz- oder Angelfischerei. Im Winter halten sich die Sterlete in tiefen Flusskolken auf, wobei einzelne Individuen den ganzen Winter hindurch im selben Kolk geortet werden konnten. Die große Zahl an Wiederfängen legt nahe, dass es sich um eine kleine, stark gefährdete Population handelt.

Der Schwerpunkt der zukünftigen Untersuchungen soll auf dem Auffinden der Laichplätze liegen. Weiters soll geklärt werden, ob und in welchem Ausmaß eine Abwanderung in den stromab gelegenen Stauraum KW Ottensheim-Wilhering erfolgt. Außerdem ist auch weiterhin Öffentlichkeitsarbeit geplant, um auf die Gefährdung der Sterletpopulation durch gebietsfremde Störe aufmerksam zu machen.

Die bisher gewonnene Erkenntnisse sind in einen in „Österreichs Fischerei“ veröffentlichten Artikel über die Störarten der Donau eingeflossen: download pdf-Datei

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