Innkraftwerk Ering-Frauenstein – Durchgängigkeit und Lebensraum

Im Zuge des Projekts „Innkraftwerk Ering-Frauenstein – Durchgängigkeit und Lebensraum“ wurden zwischen 2017 und 2019 umfangreiche Renaturierungsmaßnahmen umgesetzt. Diese umfassen die Errichtung eines naturnahen Umgehungsgewässers als Fischaufstiegshilfe und hochwertigen Fließgewässerlebensraum, die Herstellung eines Insel-Nebenarmsystems einschließlich eines unterstromig angebundenen Stillgewässers in der Stauwurzel sowie die Dynamisierung und Entlandung von bestehenden Altarmen.

Das Umgehungsgewässer am Kraftwerk Ering-Frauenstein überwindet auf einer Länge von 2,6 km eine Höhendifferenz von rund 10 m. Der Regelabfluss bewegt sich zwischen 2 und 8 m3/s und korreliert mit den mittleren Abflüssen des Inns im Jahresverlauf. Zusätzlich sind „Spüldotationen“ mit bis zu 12 m3/s vorgesehen, um die Lebensraumqualität insbesondere von Laichplätzen und Juvenilhabitaten dauerhaft sicher zu stellen.

Das 1,5 km lange Insel-Nebenarmsystem wurde auf einer vormals terrestrischen Eingriffsfläche von insgesamt 30 ha neu errichtet. Durch Anlage eines breiten Einströmbereichs sowie eines flach ausgebildeten Inselkopfes entstanden großflächig angeströmte Kiesstrukturen. Zusätzlich wurde ein Stillgewässer mit einer Wasserfläche bei Mittelwasserführung von rund 1,7 ha errichtet, welches unterstromig an den Nebenarm angebunden ist.

Darüber hinaus erfolgt eine Redynamisierung der „fossilen Au“ einschließlich eines Hinterlandgewässerkomplexes über drei Verbindungsgräben mit dem Umgehungsgewässer. Durch verschließbare Anbindungsbauwerke können autypische Wasserspiegelschwankungen von 0,8 m über sowie unter den Mittelwasserstand erzeugt werden.

Im Rahmen eines unmittelbar nach Flutung des Umgehungsgewässers im Herbst 2019 durchgeführten Pilotmonitorings mittels „Ausstiegsreuse“ konnten in 55 Tagen eine hohe Zahl von knapp 27000 aufgestiegenen Fischen aus 25 verschiedenen Arten gefangen werden. Im Jahr 2020 wird die eigentliche fischökologische Funktionskontrolle im Regelbetrieb durchgeführt.

Vor Maßnahmenumsetzung wurde im Hauptfluss ein fischökologisches Prämonitoring durchgeführt. Dabei konnte mit dem Steingreßling eine im gesamten Salzach-Innsystem ausgestorben geglaubte Fischart wiederentdeckt werden, was in der Zeitschrift „Österreichs Fischerei“ veröffentlicht wurde: download pdf-Datei

Weiters wurde erstmals der Nordchinesische Schlammpeitzger (Misgurnus bipartitus) in Österreich nachgewiesen. Die Artbestimmung erfolgte mittels molekularbiologischer Methoden und wurde in der Zeitschrift „BioInvasions Records“ veröffentlicht.

Am 19.4.2020 konnten von einem Passanten im Umgehungsgewässer zwei große Huchen auf einem Laichplatz gefilmt werden:

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